Diese zweitägige Tour im Alpsteinhat es in sich. Es werden grosse Höhenunterschiede überwunden und viele Kilometer gelaufen. Die Umgebung und Aussichten unterwegs lassen aber alle Strapazen des Tages vergessen. Mit dieser Tour entdeckt man den Alpstein Richtung Rheintal, weg von den grossen Touristenanziehungspunkten wie Hoher Kasten oder Säntis. Die Übernachtung auf dem Roslenfirst bietet spektakuläre Panoramablicke Richtung Rheintal und Kreuzberge sowie Richtung Altmann und Säntis.

Die Tour führt uns etwas weg von den Hotspots des Alpstein. Das ist aber gut so, wollen wir doch nicht umbedingt den grossen Touristenströmen folgen. Die Tour ist ab Staubern bis Saxerlücke – Mutschen – Zwinglipass – Bollenwees praktisch Menschenleer gewesen. So macht Wandern Spass!

Für diese Tour lohnt es sich beim Packen genau auf das Gewicht zu achten. Eine Packliste kann dabei sicherlich weiterhelfen. Man sollte sich wirklich zweimal überlegen, was man alles einpacken möchte.

Unser Material für den kommenden zwei Tage. Ein bisschen Luxus (Rotwein) muss auch sein.

Wir beginnen unsere zweitägige Tour bei der Thalstation der Alp Sigel Bahn. Die Bahn liegt nur einige 100 Meter weiter hinten im Thal nach der Kastenbahn. Das Wetter ist traumhauft und sollte das ganze Wochenende so bleiben. Wir nehmen die Bahn zur Alp Sigel. Dadurch überwinden wir den sehr steilen und mühsamen Aufstieg von Brülisau zum Plattenbödeli. Die Rucksäcke sind prall gefüllt und schon beim Start fragen wir uns, ob wir nicht zuviel mitgenommen haben. Oben bei der Alp Sigel angekommen sieht man praktisch die ganze Wanderroute unserer Tour. Von der Alp Sigel geht es anschliessend im teils steilen Abstieg zum Plattenbödeli und Sämtisersee. Ein guter Start um warm zu werden und sich an die schweren Rucksäcke zu gewöhnen.

Steil nach oben geht es mit der Alp Sigel Bahn.

Nach gut 50 Minuten erreichen wir unser erstes Etappenziel das Plattenbödeli. Vom Plattenbödeli geht es nun flach am Sämtisersee vorbei. Wir überqueren den Bach der in den Sämtisersee fliesst und steigen auf bis zur Alp Rainhütten. Dies ist sozusagen das erste Plateau im Aufstieg bis hoch zur Staubern. Vom Sämtisersee bis zur Staubern überwinden wir 542 Höhenmeter. Von der Alp Rainhütten geht es im Zickzack steil hinauf bis zur Staubern. Der Aufstieg bis zur Staubern ist wirklich sehr anstrengend. Währen dem Anstieg können wir ins Thal hinunter sehen und dabei zuschauen, wie sich eine Alpabfahrt mit vielen Kühen Richtung Tal bewegte. Auf dieser Strecke sind wir praktisch alleine unterwegs. Vielen ist der Aufstieg wohl zu anstrengend.

Der Aufstieg vom Sämtisersee zur Staubern zehrt an unseren Kraftreserven.

Nach dem kräfteraubenden Aufstieg sind wir froh in der Staubern angekommen zu sein und unsere erste grössere Pause zu machen. Wir geniessen ein kühles Getränk auf der Terasse des Restaurants. Der Ausblick von hier oben ins schöne Rheintal ist einfach immer wieder atemberaubend. Etwas später setzen wir uns neben dem Bergrestaurant in die Lawinenverbauungen hinein und geniessen einen feinen Couscous Salat. Bis zur Staubern haben wir unsere Trinkwasservorräte praktisch leer getrunken. Da es bis zum Nachtlager nur noch eine Hütte hat, die nicht immer geöffnet ist, tanken wir in der Staubern ordentlich Trinkwasser auf. Negativpunkt dabei – unserer Rucksäcke wiegen nun wieder ein paar Kilos mehr.

Die Staubern bietet tolle Tiefblicke ins Rheintal.

Nach einem schönen und wohl verdienten Rast machen wir uns mit viel Trinkwasser weiter Richtung Saxerlücke. Unterwegs geniessen wir die tolle Aussicht Richtung Werdenberg und Liechtenstein.

Tolle Aussicht Richung Werdenberg und Liechtenstein.

Wir nahmen an, dass wir bis zum Nachtlager keine Möglichkeiten mehr haben Wasser zu kaufen. Dies stellte sich dann als falsch heraus. Die Roslenalp war nämlich geöffnet. Dort wäre die letzte Möglichkeit gewesen, um noch Wasser zu kaufen. Da habe wir wohl von den Staubern weg ein paar Liter zu viel mitgetragen. Nun gut, sicher ist sicher. Bei der Saxerlücke angekommen machen wir eine weitere Pause. Hier zweigt der Weg Richtung Bollenwees, Sax oder Mutschensattel ab. Wir nehmen den Wegweiser zum Mutschen. Doch zuerst bestaunen wir nochmals die imposanten Kreuzberge.

Wegweiser bei der Saxerlücke mit Sicht auf die imposanten Kreuzberge.

Die Kreuzberge könnte man stundenlang anschauen. Wirklich sehr spezielle Felsen. Von der Saxerlücke wandern wir weiter nach oben bis zum Mutschensattel. Dazwischen gibt es für uns aber noch eine kleine Überraschung. Bei meiner Planung habe ich nämlich die Roslenalphütte übersehen *peinlich*. Zudem habe ich diese – wenn ich ehrlich bin – bisher auch nicht gekannt.

Idyllischer hätte unser Zwischenstopp bei der Roslenalp nicht sein können. Was für eine Umgebung - begleitet von Alphornklängen.

Die Hütte ist zum Glück geöffnet und wir geniessen vor einer malerischen Kulisse inklusive gratis Alphornklänge einen letzen Zwischenstopp währen des Aufstiegs zum Mutschensattel.

Was für eine Umgebung – umrahmt von Alphornklägen auf der Roslenalp

Von der Roslenalp geht es hoch zum Mutschensattel. Langsam aber sicher schwinden auch unsere Kräfte. Meiner Freundin versichere ich, dass wir den Mutschen auslassen werden. Es zieht sich nämlich in die Länge bis wir am Mutschensattel oben ankommen. Die Wanderung von der Roslenalp bis zum Mutschen ist speziell. Unterwegs hat es viele Blumen und die Felsen ragen neben uns imposant in die Höhe. Vorallem die Felsformationen direkt unter dem Mutschensattel sehen wirklich sehr speziell aus. Beim Mutschensattel angekommen, haben wir natürlich unsere Meinung bereits geändert. Wenn wir nun schon da sind, müssen wir doch fast noch auf den Mutschensattel sagen wir uns. Für den Aufstieg zum Mutschen lassen wir unsere Rucksäcke beim Wegweiser liegen. Der Aufstieg zum Mutschen dauert höchstens 10 Minuten. Auf dem Mutschen angekommen erwartet uns eine prächtige Aussicht über das gesamte Rheintal. Die Anstrengung hat sich mehr als gelohnt!

Beim Gipfelkreuz auf dem Mutschen mit phantastischer Aussicht!

Nachdem wir die herrliche Aussicht genossen haben, steigen wir zum Mutschensattel ab. Dort schnallen wir unsere Rucksäcke wieder um und begeben uns auf den Weg zum Roslenfirst. Etwas unter dem Roslenfirst verlassen wir den Wanderweg und biegen rechts in den Hang ein. Es folgt ein steiler Anstieg in einen Wiesenhang Richtung First. Ausgelaugt erreichen wir unser Tagesziel den Roslenfirst mit dem schönen Steinturm. Jetzt noch das Zelt aufstellen und dann einen feinen Risotto (mein Risottorezept) kochen. Das haben wir uns mehr als verdient! Ich war ja selbst noch nie hier oben aber dank Google Earth habe ich diesen wirklich einmaligen Platz gefunden. Oben angekommen, geniessen wir eine Rundumsicht auf den ganzen Alpstein sowie das Rheintal. Für ein Nachtlager einfach atemberaubend!

Mutschen 360 Grad Ansicht

Ich garantiere euch, nach so einem anstrengenden Tag schmeckt hier oben ein warmes Risotto noch besser. Wir haben beide einen riesen Hunger und lassen kein Reiskorn übrig. Nachdem sich die Sonne verabschiedet hat, wird es merklich kühler. Wein und Schnaps darf hier oben nicht fehlen. Was für ein Glück, es ist Vollmond. Die Berge sehen in der Nacht wie beleuchtet aus. Es ist ein Privileg einfach da oben in der Ruhe zu sitzen und nach unten zu schauen. Die Ruhe hier oben gibt einem ein Gefühl der totalen Freiheit.

Beim Risottokochen, die Unordnung haben wir natürlich wieder aufgeräumt. Nichts wird zurückgelassen!

Am nächsten Morgen erwartet uns ein königlicher Sonnenaufgang. Da braucht man keine Filterfunktion der Kamera. Einfach drauf los fotografieren. Die Berge erscheinen uns in diesem Licht wie ein Gemälde.

Was für eine Farbenpracht am nächsten Morgen, Säntis und Altmann erstrahlen im Morgenrot.

Roslenfirst 360 Grad Ansicht

Bevor wir das Zelt abbrechen laufen wir dem Roslenfirst entlang und geniessen die Aussicht. Zurückgekommen beim Zelt packen wir alles fein säuberlich zusammen. Natürlich haben wir alles so zurückgelassen wie angetroffen – sprich, wir haben alles wieder mitgnommen. Alles andere wäre gegenüber dieser einmaligen Natur eine Frechheit! Unser nächstes Ziel ist die Zwinglipasshütte mit toller sicht auf den Altmann. Wir geben uns mit einem Biber zum Frühstück zufrieden. Das Wetter spielte auch heute mit und der stahlblauen Himmel lässt die Zwinglipasshütte erstrahlen.

Die Zwinglipasshütte bei wolkenlosem Himmel.

Nach dem Z’Morgenhalt wandern wir weiter hinunter Richtung Fählensee. Ein sehr schöner Abstieg mit tollen Felsen links und rechts, inklusive dicker Murmeltiere führt hinunter zum Fählensee. Die sommerlichen Temperaturen bewegen uns dazu ein Bad im eiskalten Fählensee zu nehmen. Nach wenigen Sekunden springe ich bereits wieder aus dem Wasser. Was für eine wohltuenden Abkühlung! Der See ist wirklich eiszapfenkalt! Es geht weiter zum Gasthaus Bollenwees. Dort essen wir einen feinen Z’Mittag inmitten einer herrlichen Bergkulisse.

In Sichtweite das Gasthaus Bollenwees mit dem malerischen Fählensee.

Nach dem Mittagessen geht es nun der Strasse entlang geradeaus Richtung Sämtisersee und Plattenbödeli. Von dort aus führt die Strasse steil hinunter nach Brülisau zu unserem Ausgangspunkt der Talstation Alp Sigel. Was für ein Glück bei dieser Wärme. Bei der Alp Sigel werden Glaces verkauft. Ein erfrischender Abschluss zu unserer zweitägigen Wandertour.

Die Tour war absolute Klasse. Was man in nur zwei Tagen alles erleben kann! Das Schöne liegt oft viel näher als man denkt! Definitiv werden wir diese Tour wieder einmal machen.

Leider streikte mein GPS. So kann ich leider nur lückenhafte Angaben zur Tour machen.

Daten zur Tour

Zeitbedarf: an beiden Tagen ca. 6.5 h reine Laufzeit
Schwierigkeit: gute Wanderwege, eine gute konditionelle Verfassung ist Pflicht
Strecke: keine Angaben (ziemlich lange)
Startpunkt: Alp Siegel Talstation (Anfahrt mit Auto, Parkplätze vorhanden, Selbstbedienungsbahn)
Zielpunkt: siehe Wanderroute
Einkehrmöglichkeiten:
Plattenbödeli, Staubern, Zwinglipass, Bollenwees
Höhendifferenz:
keine Angaben

Wanderroute

alp sigel – plattenbödeli – sämtisersee – rainhütten – staubernfirst – staubernkanzel – furgglenfirst – saxer lücke – roslenalp – kreuzberge – mutschensattel – mutschen – roslenfirst (übernachtung) – zwinglipasshütte – häderen – fählenalp – fählensee – bollenwees – sämtisersee – plattenbödeli – brülisau

Bilder der Tour

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